Geschichte der Stadt Rathenow
Rathenow um 1860
Diese Stadtansicht von Rathenow um 1860 zeigt den Blick von Norden her über das Jederitzer Tor. Man kann auch das Alte Rathaus am Fuße der Sankt-Marien-Andreas-Kirche erkennen. Die städtebauliche Dominante ist die Sankt-Marien-Andreas-Kirche mit ihrem Turm. Weitere informationen finden Sie auch unter: www.mein-rathenow.de
Sankt-Marien-Andreas-Kirche um 1840
1. Albrecht der Bär (* um 1100 - † 18.11.1170)
Albrecht war der einzige Sohn des Grafen Otte des Reichen von Ballenstedt und seiner Gemahlin, Eilika Billung von Sachsen, der ältesten Tochter von Herzog Magnus Billung von Sachsen. Er wuchs mit sechs Brüdern und drei Schwestern auf. Sein Bruder Siegfried wurde Erzbischof von Bremen und sein Bruder Bernhard, Herzog von Sachsen.
Albrecht I. (genannt der Bär) aus dem Geschlecht der Askanier war seit 1157 der erste Markgraf von Brandenburg. Er begründete die Markgrafschaft durch die Unterwerfung der Liutizen. Liutizen oder Wilzen waren slawische Stämme, die südöstlich der Warnow bis nordwestlich der Uckermark wohnten und schon 928/929 von deutschen Feudalstaat unterworfen wurden, aber nach 983 unabhängig lebten. Albrecht der Bär unterwarf sie dann endgültig. Christliche Kaufleute ließen sich im immer größerer Zahl unter den Slawen nieder. Als Markgrafen von Brandenburg holten die Askanier viele Bauern aus dem Rheingebiet nach Brandenburg. Es ist sicher, dass an der Havel eine Furt bestand und es wird vermutet, dass die deutsche Burg Rathenow in der Gegend des Stremmeabflusses bei der ehemaligen Ofenfabrik gestanden hat. Am Nordende des Weinbergs entstand die Altstadt. Der Schutzpatron der Kaufleute war der Heilige Nikolaus und so ist zu vermuten, dass die erste Kirche eine Nikolaikirche war. Die erste urkundliche Erwähnung von Rathenow erfolgte 1216.
2. Otto I. (*1128 - † 08.07.1184)
Otto I. war der älteste Sohn Albrechts des Bären. Schon 1144 bekam er die Mitregentschaft von seinem Vater. Seit 1170 war er Markgraf von Brandenburg. 1180 gründete er das Zisterzienserkloster Lehnin, das fortan als askanisches Hauskloster galt.
Die Herrschaft der Askanier reichte bis 1320, als Heinrich II. kinderlos starb.
| Name der Askanier |
Geburts- und Todesjahr | Markgraf von Brandenburg |
| Albrecht I. (Albrecht der Bär) |
1100 -1170 | 1150-1170 |
| Otto I. |
1128-1184 | 1170-1184 |
| Otto II. (Otto der Freigiebige) |
1147-1205 | 1184-1205 |
| Albrecht II. |
1150-1220 | 1205-1220 |
| Johann I. |
1213-1266 | 1220-1266 mit Otto III. |
| Otto III. (Otto der Fromme) |
1215-1267 | 1220-1267 mit Johann I. |
| Otto IV. (Otto mit dem Pfeil) |
1338-1308 | 1267-1308 |
| Waldemar (Wald. der Große) |
1280-1319 | 1308-1319 |
| Heinrich II. (Heinrich das Kind) |
1308-1320 | 1319-1320 |
Nach dem Aussterben der Askanier kamen schwierige Zeiten für Rathenow.
Die Markgrafen hatten Schulden. Markgraf Waldemar hat 1319 ca. 7.000 Morgen Heide an die Stadt abgetreten. Rathenow lag immer an der Grenze zum Bistum Magdeburg. Auch heute ist man mit dem Auto in fünf Minuten in Sachsen-Anhalt. 1394 wurde Rathenow bei strenger Kälte vom Erzbischof von Magdeburg Albrecht überfallen und ausgepraubt. Alle Rathenower, selbst schwangere Frauen, Kinder und Greise, ließ er auf die Landstrasse treiben. Da sind viele durch Hunger und Kälte oder grausamliche Schläge umgekommen, heisst es in einer alten Schrift. Die Einwohner der Stadt wurden verjagt und durften erst nach zwei Jahren zurückkehren. Hundert Wagen mit geplündertem Gut wurden nach Magdeburg gebracht und dort meistbietend auf dem Markt verkauft. Der Erzbischof von Magdeburg verlangte vom Markgrafen von Brandenburg 600 Schock böhmische Groschen. Da der Markgraf das Geld nicht hatte, verpfändete er Rathenow 1409 an Dietrich von Quitzow. Die Quitzows waren gefürchtete Raubritter. Der Markgraf Friedrich I. von Hohenzollern bekämpfte die Raubritter erfolgreich. 1428 wurde der Rathenower Stefan Bodeker Bischof von Brandenburg. 1446 führte das Recht des Salzverkaufs zu bescheidenem Wohlstand in Rathenow. Als Rathenow wieder einmal wegen der Geldnot des Kurfürsten verpfändet werden sollte, brachte es die Summe selbst zusammen. So konnte im Jahre 1466 der Münzmeister Michael Hemelporte den Rathenower Groschen prägen. Auf dem Groschen steht: Moneta Nova March rotenaw (Neue markgräfliche Münze von Rathenow). Auch gegen die Raubritter wehrte sich die Stadt. Der Raubritter Pater van Gryben wurde gefangen und verhungerte im böhmischen Turm an der Wasserpforte der Stadt Rathenow. 1536 bekam dieStadt das Recht für jedes Fuhrwerk, dass über die Lange Brücke am Haveltor fuhr einen Deichselpfennig zu erheben. 1539 wurde die Reformation im Land Brandenburg durchgesetzt. Die Stadt übernahm das Patronat über die Kirche. Der erste evangelische Pfarrer war seit 1540 Peter Richter.
Sankt-Marien-Andreas-Kirche um 1916
Eine Stadtansicht von 1939
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1945 waren 80% der Stadt Rathenow zerstört
Kirchentorso Zeichnung von Dagmar Tautz
Weitere geschichtliche Entwicklung von Rathenow wird noch bearbeitet
Die Geschichte der optischen Industrie in Rathenow
Johann, Heinrich, August Duncker
(1936 fertigte Walter Thiel dieses Ölgemälde
nach einer Kreidezeichnung von Dunckers Urenkel, Kurt Gründler)
Der Prediger Johann, Heinrich, August Duncker gilt als Begründer der optischen Industrie in Rathenow. Rathenow führt den Namen "Stadt der Optik" in ihrem Titel. Johann Heinrich August Duncker hatte in Halle Theologie studiert und auch physikalische Vorlesungen gehört. In Halle hat er auch seine Liebe für die Optik entdeckt. Er war an der Universität in Halle mit einem Verfahren bekannt gemacht worden, wie man Gläser schleifen konnte. Um 1800 wurden in Deutschland nur gegossene Gläser hergestellt, die statt die Sehkraft zu stärken, eher die gegenteilige Wirkung zeigten. Nach dem Studium kam er nach Rathenow zurück, wo er seinem Vater, der Erzdiakon in der Kirchengemeinde war, als Gehilfe diente. Er bemerkte in den Gottesdiensten, dass die alten Leute die Gesangbücher nicht mehr lesen konnten. Um die Sehkraft seiner alten Gottesdienstbesucher zu verbessern, erfand er eine handbetriebene Vielschleifmaschine, mit der man 11 Gläser gleichzeitig bearbeiten konnte. Die Gläser konnten so präzise geschliffen werden, dass sie genau die benötigten Dioptrien für die Sehschärfenkorrektur ergaben. Sie waren auch billiger als die gegossenen Gläser, die praktisch unbrauchbar waren. Er richtete in Rathenow eine kleine Werkstatt in den Stallräumen des Pfarrhauses ein und begann mit der der Herstellung der Gläser. Am 10.03.1801 erteilte ihm König Friedrich Wilhelm III. von Preußen den Titel: " Königliche priviligierte optische Industrieanstalt" und das Patent für die Vielschleifmaschine. Mit dieser ersten Glasschleiferei wurde der Beiname Rathenows als "Stadt der Optik" begründet.
Vielschleifmaschine wie sie Johann, Heinrich, August Duncker
zur Herstellung von Brillengäsern mit exakten Dioptrien verwendete
Das Geburtshaus des Predigers Johann Heinrich August Duncker steht in Rathenow gegenüber der Sankt-Marien-Andreas-Kirche. Es ist das Haus Kirchplatz Nr. 12. Eine kleine Gedenktafel erinnert an den Begründer der optischen Industrie.
Grabmal des Predigers Johann Heinrich August Duncker
auf dem Weinbergfriedhof in Rathenow
Am Bahnhof von Rathenow findet sich ein Denkmal mit der Bronzebüste des Begründers der optischen Industrie. Der Bahnhofsvorplatz wurde zu seinen Ehren Dunckerplatz genannt.
Denkmal von Johann, Heinrich, August Duncker
auf dem Rathenower Dunckerplatz am Bahnhof
Der Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e.V. hat im Jahr 2000 eine Gedenkmünze herausgegeben. Sie zeigt den Prediger Johann Heinrich August Duncker auf der einen Seite und auf der anderen Seite die Sankt-Marien-Andreas-Kirche. Die Goldmünze (333iger Prägung) wird für eine Mindestspende von 100,00 € und die Silbermünze (999iger Prägung) für eine Spende von 50,00 € abgegeben. Die Einnahmen werden zum Wiederaufbau der Kirche verwendet.
Dr. Heinz-Walter Knackmuß
Geschichtssplitter
Kinos in Rathenow
Vor der Zerstörung im zweiten Weltkrieg (1939 -1945) gab es drei Filmtheater in Rathenow
1. Das Apollo ( heutiges Kulturzentrum in der Berliner Straße)
Das Apollo-Theater war ein richtiges Theater mit 999 Plätzen, weil es eine Vorschrift gab, dass ab 1000 Plätze ein eiserner Brandvorhang zwischen Bühne und Zuschauerraum installiert werden musste.
2. Das Bellevue (zuerst in der Havelstr., dann in der Steinstr., heutiges Haveltorkino)
3. Das Capitol ( in der Großen-Hagen-Straße)
Pharusplan von 1925
© Copyright : Dr. Heinz-Walter Knackmuß
