Die Sankt-Marien-Andreas-Kirche bildet den Mittelpunkt der
der Kreisstadt des Havellandes 
RATHENOW

1. Turmeingang



Wenn man die Kirche von der Turmseite betritt, findet man im Eingangsbereich drei Ölgemälde der Ehrenbürgerin der Stadt Rathenow, Erika Guthjahr. Sie zeigen die Kirche in ihrer ganzen gotischen Pracht vor der Zerstörung, die Feuerwalze, die in den letzten Kriegstagen die Kirche völlig zerstörte und die Vision vom Wiederaufbau des Turms. Die Gemälde sind um 1980 entstanden. Damals wagte niemand zu hoffen, dass die Kirche einst wieder aufgebaut werden könnte. Aus dem Chorraum sieht man Bäume wachsen. Und so war es wirklich gewesen. Die Kirche sollte langsam verfallen. Nach Auffassung der DDR-Regierung würde sich der Atheismus über kurz oder lang doch durchsetzen. Im Jahre 1995 konnte der Chorraum wieder mit einem Dach und Fenstern versehen werden und 2002 war der Wiederaufbau des Turms abgeschlossen.  Erika Guthjahr hat 1980 drei Bilder von der Kirche gemalt. Die Sankt-Marien-Andreas-Kirche vor der Zerstörung, dann die Brandwoche 1945 und eine Vison vom Wiederaufbau des Turms. 1980 war gar nicht daran zu denken, dass die Kirche jemals wieder aufgebaut werden könnte. Erika Guthjahr hatte mit großer Anteilnahme 2001 miterleben dürfen, dass sich ihre Vison vom Wiederaufbau des Turms verwirklicht hat.


      Kirche vor 1945                 Brand 1945                 Vision vom Wiederaufbau


2. Das südliche Seitenschiff

Betritt man das Schiff und wendet sich nach rechts, so kommt man an dem Gemälde " Jesus vor dem Hohen Rat" vorbei und erreicht im hinteren Teil des Seitenschiffs eine Ausstellung zur Geschichte der Kirche. Hier können die wunderbaren Kreuzgewölbe angesehen werden. Die Kirchen wurden im Mittelalter immer streng nach Osten ausgerichtet. Nach dem alten lateinischen Spruch: EX ORIENTE LUX (Aus dem Osten kommt das Licht), womit man die gute Botschaft von Jesus Christus verstand, befand sich der Chorraum mit dem Altar ganz weit im Osten und der Turm im Westen. Die Architekten des Mittelalters haben auch mit den Kreuzgewölben auf die Heiligkeit des Chorraumes hingewiesen. So findet man im östlichen Teil des Seitenschiffes ein prachtvolles Sterngewolbe und die Pracht der Kreuzgewölbe nimmt nach Westen hin ab, bis sie am Ende eine schlichte Vierteilung aufweisen. Im Mittelalter war der Altar mit dem Chorraum so heilig, dass er nur von den Priestern betreten werden durfte. Das hat sich in der katholischen und evangelischen Kirche verloren. Nur in den griechisch-orthodoxen und russisch-orthodoxen Kirchen hat sich dieser Brauch bis zum heutigen Tag gehalten. In diesen Kirchen darf der Gläubige nur bis zur Ikonenwand. Hinter der Ikonenwand befindet sich der Chorraum mit dem Altar, der nur von den Priestern  betreten werden darf. Die russisch-orthodoxen Christen bezeichnen sich deshalb auch als rechtgläubig. Die Akustik ist in den Seitenschiffen ausgezeichnet. Die Kreuzgewölbe machen es möglich. Im östlichen Bereich des südlichen Seitenschiffs befindet sich der gotische Marienaltar. Im östlichen Teil des Seitenschiffes sind noch zwei romanischen Rundbögen in den Wänden zu erkennen, denn hier befand sich vor dem Umbau zum gotischen Gotteshaus mit Versetzung der Seitenschiffe nach Außen, das Querhaus der Kreuzbasilika.

3. Das Mittelschiff


Blick von der Empore zum südlichen Seitenschiff

Das Mittelschiff hat beim provisorischen Wiederaufbau statt der Kreuzgewölbe, eine Decke aus Holzwolleleichtbauplatten (HWL) erhalten, die der Volksmund respektlos als Sauerkohlplatten bezeichnete. Sie sollten wirklich nur vorübergehend als Decke dienen bis die Kreuzgewölbe wieder aufgebaut würden. Aber wie das so mit Provisorien ist, sie haben ein langes Leben. 2009 werden es 50 Jahre. Die Akustik im Mittelschiff ist durch die Sauerkohlplatten sehr beeeinträchtigt. Am westlichen Teil ist die Empore zu sehen, die eine elekronischen Übergangsorgel trägt. Vor der Zerstörung war dort eine große Schukeorgel zu hören. Am östlichen Ende vor dem Chorraum ist der Altar aus Sandstein aufgebaut, den die Firma Neils/Eißer gestaltet hat. Die mächtigen romanischen Säulen künden von der Gewalt der Traglast, die vor 1945 mit den Kreuzgewölben zu erbringen war. Die Steine der romanischen Säulen nennt man Klosterformatsteine. An der westliche hinteren Säule im südlichen Teil befinden sich sogenannte Pfennigmarken auf einzelnen Steinen.


Drei Pfennigmarken links als
Steinkennzeichnung des Herstellers

Auch im Mittelalter kannte man schon Qualitätsparameter für Produzenten. Diese Pfennigmarken sind so ein "made in Germany", wie wir heute sagen würden. Man konnte an den Steinen den Hersteller erkennen. Als wir nach 1990 den Chorraum wieder aufgebaut haben, benötigten wir solche Klosterformatsteine wie an den romansichen Säulen. Wir waren an ein westdeutsche Firma geraten, deren Klosterformatsteine beim ersten Frost zerbröselten. Als die Firma in Regress genommen werden sollte, war sie unauffindbar. Da hätten wir uns solche Pfennigmarken gewünscht. Betrüger hat es wohl zu allen Zeiten gegeben und wir müssen erkennen, dass ganz einfache Mittel - die Pfennigmarken sind mit einem Stempel in den Stein eingedrückt worden - solche Betrügereien unterbunden werden können. Von der Orgelempore hat man einen schönen Blick über die gesamte Kirche. Über die Orgelempore kann auch der Turm zur Besichtigung erreicht werden.


Blick von der Empore zum nördlichen Seitenschiff  Blick von der Empore in das Mittelschiff

4. Das nördliche Seitenschiff

Im nördlichen Seitenschiff sind die Kreuzgewölbe ebenfalls erhalten geblieben. Sie sind spigelbildlich mit dem südlichen Seitenschiff. Der Aufgang zur Orgelempore befindet sich im westlichen Seitenschiff. Hier ist zurzeit auch eine Darstellung der Stadt Rathenow um 1800 in einer Vitrine zu sehen. Man kann gut erkennen, dass die Altstadt mit der Sankt-Marien-Andreas-Kirche auf einer Insel liegt. Im Mittellater schützte die Stadtmauer und das Wasser vor ungebetenen Gästen. Große Teile der Stadtmauer können im nördlichen Bereich der Altstadtinsel noch besichtigt werden. An der Wand sind drei Ölgemälde des Rathenower Malers Werner Stumpp (05.01.1957 - 18.07.2001). In der Mitte hat er einen mittelalterlichen Christus und rechts und links Ölgemälde der Sankt-Marien-Andreas-Kirche dargestellt. Das Taufbecken im nördlichen Teil passt nicht dort hin. Die frühen Kirchen weisen das Taufbecken immer dem westlichen Eingang zu. Die Taufe als Sakrament soll am Kircheneingang stehen, um die Gläubigen daran zu erinnern, dass sie mit der Taufe den Eigang zur Christlichen Gemeinschaft und zu Gott begründet haben. Wir wenden uns jetzt dem Chorraum zu, wo die Glasfenster nach den Entwürfen von Gerhard Henschel das bedeutendste Kunstwerk der Kirche darstellen.


Kreuzgewölbe im nördlichen Seitenschiff


5. Die Andreas-Kapelle


Innenansicht der Andreas-Kapelle vor der Zerstörung 1945

6. Die Marien-Kapelle


Marienkapelle 2008

© Copyright : Dr. Heinz-Walter Knackmuß